Eine Betrachtung der aktuellen Cloud-Computing Chancen und Risiken
Seit den ersten Kalkulationsmaschinen hat sich die IT drastisch verändert. Zuerst gab es Großrechner, raumgroße elektronische Monster, dann kamen der PC und das lokale Netzwerk. Daten wurden mit PC oder Laptop bearbeitet und auf lokalen Servern gespeichert. Jede Firma benötigte ein Netzwerk und eine lokale IT-Abteilung oder zumindest einen Mitarbeiter, der die Hard- und Software wartete.
Heute, in der Zeit von schnellen Internet Anschlüssen, bieten Amazon.com, Google, Apple, IBM und andere Anbieter Cloud-Storage in Ihren Rechenzentren zum speichern Ihrer Daten im Internet an und somit haben Sie die bequeme Möglichkeit von überall auf Ihre Daten zugreifen zu können. Die Funktion des Datenspeichers wurde ins Internet verlagert.
Cloud-Computing geht nun einen Schritt weiter. Sie speichern nicht nur Ihre Daten in der Cloud, Sie können die Server des Anbieters auch nutzen um Ihre Programme auf diesen laufen zu lassen, dies bedeutet, dass Sie lediglich ein einfaches Terminal, wie IPad oder Smartphone benötigen um in der Cloud zu arbeiten.
Nun stellt sich jedoch die Frage, ob Cloud-Computing nur Vorteile bietet oder was zu beachten ist, damit Cloud-Computing nicht zu einem Risiko für Ihre Daten und Betriebsgeheimnisse wird.
Die Cloud was ist das?
Wikipedia zu diesem Thema: „Cloud Computing bzw. Rechnerwolke umschreibt den Ansatz, abstrahierte IT-Infrastrukturen (z.B. Rechenkapazität, Datenspeicher, Netzwerkkapazitäten oder auch fertige Software) dynamisch an den Bedarf angepasst über ein Netzwerk zur Verfügung zu stellen. ...
Vereinfacht kann das Konzept wie folgt beschrieben werden: Ein Teil der IT-Landschaft (in diesem Zusammenhang etwa Hardware wie Rechenzentrum, Datenspeicher sowie Software) wird auf Nutzerseite nicht mehr selbst betrieben oder örtlich bereitgestellt, sondern bei einem oder mehreren Anbietern als Dienst gemietet. Die Anwendungen und Daten befinden sich dann nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum, sondern in der Wolke (engl. „cloud“). ....
Der Zugriff auf die entfernten Systeme erfolgt über ein Netzwerk, beispielsweise das des Internets. Es gibt aber auch sogenannte „Private Clouds“, bei denen die Bereitstellung über ein firmeninternes Intranet erfolgt.” (http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing)
Chance?
Es steht ausser Frage, das sich mit Cloud-Computing neue Möglichkeiten erschliessen, welche IT leistungsfähiger, kostengünstiger und einfacher machen. Kleine und mittelständische Betriebe erhalten die Möglichkeit Cloud-Dienste zu mieten anstatt teure lokale Infrastrukturen anschaffen und betreiben zu müssen, was zu erheblichen Kosteneinsparungen und Wettbewerbsvorteilen führt und so manche Firma erhält durch Cloud-Computing überhaupt erst die Möglichkeit ihre Produkte zu realisieren und im Markt zu etablieren.
Cloud-Computing ermöglicht neue Geschäftskonzepte und bietet Chancen, die Sie nutzen sollten, es birgt jedoch auch Risiken, über die Sie sich als Nutzer bewusst sein sollten, bevor Sie die Entscheidung treffen Ihre Daten der Cloud anzuvertrauen.
Wie bekommen Sie Ihre Daten wieder?
Wenn Sie einmal Ihre Arbeitsumgebung und Daten in die Cloud transferiert haben, dann könnte es sehr problematisch und manchmal sogar unmöglich sein alle Daten aus der Cloud heraus zu migrieren und diese endgültig zu löschen.
Jeder Anbieter hilft Ihnen gerne in die Cloud zu migrieren. Lassen Sie sich aber auch zeigen, wie Sie wieder aus der Cloud heraus migrieren können, wenn Sie feststellen sollten, das die Cloud Ihren Ansprüchen nicht gerecht werden kann.
Eingeschränkte Flexibilität.
Die meisten Cloud-Computing-Angebote sind von der Stange und meistens gibt es kaum oder gar keine Möglichkeit diese an individuelle Bedürfnisse anzupassen.
Google Apps ist Google Apps und Microsoft365 ist Microsoft365. Diese Angebote sind kaum individuell anpassbar und wenn Sie beispielsweise zusätzlich eine Unternehmenslösung in die Cloud auslagern möchten, dann gibt es bei diesen Angeboten keine Möglichkeit diesen Wunsch zu realisieren.
Suchen Sie sich einen Cloud-Anbieter, der in der Lage ist auch Ihre individuelle Unternehmenslösung in die Cloud zu überführen. Nutzen Sie keine Angebote „von der Stange“ welche nicht individuell konfigurierbar sind.
Eingeschränkter Service und Support.
Bei manchen Cloud-Computing-Diensten gibt es lediglich einen Email Support und es gibt keine Möglichkeit einen Ansprechpartner persönlich zu erreichen. Große Cloud-Anbieter bieten keinerlei lokalen Support an, so dass Sie für Ihre „lokalen Probleme“ einen weiteren Anbieter benötigen.
Suchen Sie sich einen Cloud-Anbieter, dessen Support Sie erreichen können, wenn Sie ihn benötigen. Viele Anbieter offerieren einen 24/7 Service mit persönlichem Ansprechpartner im Support. Suchen Sie sich einen Service-Partner, der Ihnen auch lokalen IT-Support bietet, damit Sie für alle Ihre IT-Fragen einen Ansprechpartner haben.
Verfügbarkeit.
Nur sehr wenige Anbieter garantieren die Verfügbarkeit ihrer Cloud-Dienste. Sollte ein System einmal aus Wartungsgründen heruntergefahren werden, so erfahren Sie dies erst dann, wenn der Dienst nicht mehr verfügbar ist. Es gibt keine abgesprochenen Wartungsfenster und eventuelle Updates oder Systemänderungen werden nicht mit dem Kunden koordiniert. Im schlimmsten Fall ist die Cloud dann, wenn Sie Ihre Daten beispielsweise für eine Präsentation oder einen Vertragsabschluss benötigen, nicht verfügbar oder funktional.
Lassen Sie sich die Verfügbarkeit Ihrer Cloud garantieren und stimmen Sie eventuell notwendige Wartungsarbeiten mit Ihrem Anbieter ab.
Alle Wartungsarbeiten und Veränderungen der Cloud müssen mit Ihnen abgestimmt werden, so dass Sie keine Überraschungen erleben, weil Ihre Cloud nicht zu erreichen ist oder nach einem Update nicht mehr wie gewohnt funktioniert.
Wo liegen Ihre Daten?
Wenn Sie Cloud-Computing nutzen, dann liegen Ihre Daten in irgendeinem Rechenzentrum irgendwo in einer Cloud, aber wo befinden sich Ihre Daten wirklich? Nutzer der Angebote großer Cloud-Anbieter haben de facto überhaupt keine Kontrolle mehr darüber wo Ihre Daten liegen.
Problematisch wird dies, wenn Ihre Daten den Europäischen Wirtschaftsraum verlassen und in Rechenzentren gespeichert werden, welche beispielsweise amerikanischer Jurisdiktion unterliegen. In diesem Fall müssen sich die Cloud-Anbieter an das amerikanische Recht halten, welches sich in einigen Punkten erheblich von europäischem Recht unterscheidet.
Europäische Firmen vertrauen auf die Rechtssicherheit der Datenschutzrichtlinien und Gesetzen Ihres Heimatlandes. Wenn Ihre Daten jedoch von amerikanischen Firmen oder in amerikanischen Rechenzentren verarbeitet werden, dann gilt hier amerikanisches Recht, welches sich entscheidend vom europäischem Recht unterscheidet. Hier ist es möglich, dass der Cloud-Anbieter den Behörden Zugriff zu Daten gewähren muss, ohne das Sie, der Eigentümer der Daten, überhaupt informiert werden.
Microsoft schreibt zu diesem Thema auf seiner Webseite: „Kann Microsoft meine Daten ohne mein Wissen Nutzen oder anderen darauf Zugriff gewähren? Ja, in einer geringen Anzahl von Fällen kann es vorkommen, das Microsoft gezwungen ist Daten freizugeben ohne das eine Zustimmung vom Eigentümer eigeholt wird. Dies geschieht in Fällen, wenn Microsoft gesetzlich dazu gezwungen ist oder um das Eigentum von Microsoft und/oder anderen zu schützen.“ (http://www.microsoft.com/online/legal/v2/?docid=23)
Microsofts britischer Direktor Gordon Frazer erklärte anlässlich der Markteinführung von Microsofts Office 365 in London: „Wenn ein Unternehmen seinen Firmensitz in den USA habe, müsse es die dortigen Gesetze befolgen, sagte Frazer. Das gilt insbesondere für den Patriot Act (http://de.wikipedia.org/wiki/USA_PATRIOT_Act), der US-Strafverfolgern weitreichende Zugriffsrechte auf Daten gibt. Frazer zufolge würden Kunden über die Herausgabe von Daten "informiert, wann immer das möglich ist". Eine Garantie dafür könne er jedoch nicht geben. Denn in den USA kann das FBI mit einem National Security Letter (NSL) (http://en.wikipedia.org/wiki/National_Security_Letter) ein Redeverbot (Gag order) (http://en.wikipedia.org/wiki/Gag_order) für den Betreffenden aussprechen. In diesem Fall darf er nicht einmal sagen, dass er einen NSL erhalten hat.“ (http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Behoerden-duerfen-auf-europaeische-Cloud-Daten-zugreifen-1270455.html)
Nutzen Sie Cloud-Anbieter, welche Ihnen garantieren, das Ihre Daten im Heimatland verbleiben und dass die strengen europäischen und/oder lokalen Datenschutzrichtlinien und Gesetze befolgt werden.
Auf Grund der unterschiedlichen Bestimmungen und Gesetze in Europa und Amerika ist es fraglich, ob Sie als Cloud-Nutzer überhaupt Dienste nutzen dürfen, welche sich nicht an die lokalen Bestimmungen und Gesetze halten und auf Grund dieser Tatsache ist es empfehlenswert Cloud-Anbieter zu nutzen, welche sich in Ihrem Land befinden und garantieren, das Ihre Daten im Land verbleiben.
Eine sehr deutliche Position zu dieser Problematik vertritt der CTO Joseph Reger von Fujitsu-Deutschland auf der Website seiner Firma: „Europäischen Unternehmen … die ihre Daten vor dem Zugriff von US-Behörden schützen wollen, bleibt nur eine Möglichkeit: sich für einen Anbieter zu entscheiden, der eben nicht dem USA Patriot Act unterliegt. …. Für Europa gilt: Eine Datenweitergabe ohne das ausdrückliche Einverständnis und/oder Wissen des Kunden ist gesetzlich nicht legitimiert." (http://fujitsu.fleishmaneurope.de/statement-of-the-month/2011-07/)
Fazit
Zusammenfassend ist Cloud-Computing eine Chance und bietet Möglichkeiten, welche durchaus positiv zu sehen sind, wenn Sie sich über die Risiken bewusst sind.
Cloud-Computing steht noch am Anfang seiner Entwicklung und es steht ausser Frage, dass Cloud-Computing-Dienste innerhalb kürzester Zeit genauso wichtig und alltäglich werden wie Internet, Email und Web-Server.
Cloud-Computing wird Ihre IT-Anschaffungs- und Betriebskosten drastisch verringern, was zu geringeren Stückkosten führt und somit eine bessere Stellung im Markt ermöglicht.
Suchen Sie sich einen lokalen Cloud-Anbieter, der in der Lage ist alle Ihre IT-Anforderungen individuell mit den passenden Support- und Konfigurations-Optionen zu befriedigen.
Und zu aller Letzt: „Behalten Sie die Hoheit über Ihre Cloud, dessen Konfiguration und vor allem über Ihre Daten.“
